Sich an seine Vergangenheit zu erinnern bedeutet oft auch Aufbrüche, Umbrüche und Anfänge zu erkennen oder zu fühlen. Es sind Veränderungen oder Wiederholungen, die durch den Kontext von heute sichtbar werden. Das Archiv der Anfänge und Aufbrüche hält diese Gefühle durch persönliche Fotografien und Textfragmente fest.
Wenn ich mich an die Anfänge meiner fotografischen Arbeit erinnere, habe ich diese damals als unbrauchbar wahrgenommen. Ich wusste noch nicht, wie ich richtig mit einer analogen Kamera umgehen kann, wie die passende Belichtung funktioniert, wie ich den richtigen Fokus setze oder die passende Bildkomposition finde. Daraus entstanden Bilder, die entweder verschwommen, verwackelt oder unscharf waren. Bilder, die teils aus einem irritierenden Winkel fotografiert wurden oder Personen in unpassenden Momenten abbildeten. Bilder, die ich damals für unbrauchbar hielt.
Heute kann ich die Bilder jedoch aus einem anderen Blickwinkel betrachten, da sie für mich mein Gefühl des Erwachsenwerdens festhalten. Sie bilden eine Zeit ab, die von einer Menge Unklarheiten, Unsicherheiten, Veränderungen, neuen Perspektiven sowie von neuem Ausprobieren, Scheitern und Verletzlichkeit gezeichnet ist. Durch die zugeschriebene „Unbrauchbarkeit“ machen die Bilder die Vulnerabilität dieser Zeit sichtbar.
Aufbrechen und Ankommen sind zwei zentrale Themen, die mich seitdem ich 18 bin und das erste Mal von zu Hause ausgezogen bin, viel beschäftigt haben und immer noch beschäftigen. Dies hat sich ebenfalls unbewusst in meinen Fotografien, die mein Umfeld und meinen Alltag festhalten, gezeigt.
Sie zeigen teils eine unbestimmte und antreibende Aufbruchstimmung, die zugleich von Melancholie, Unsicherheiten und Zweifeln geprägt ist. Ankommen bezeichnet für mich nicht unbedingt das Ende nach dem Aufbruch, sondern den ständigen Prozess des Suchens und Findens von Halt in Orten, im Zwischenmenschlichen, in Freundschaft und Liebe und allem dazwischen.
Das Archiv der Anfänge und Aufbrüche besteht aus analogen Fotografien aus den Jahren 2012 bis heute sowie aus in diesem Semester entstandenen Texten und Textfragmenten, die teils real, teils fiktiv sind. Die Texte beschreiben nicht zwangsläufig die auf den Fotografien abgebildeten Situationen. Vielmehr verknüpfen sie Fragmente miteinander und erzeugen Stimmungen, die etwas Zyklisches haben – ähnlich dem wiederkehrenden Prozess von Ankommen und Aufbrechen.
Bestimmte Details, wie etwa das genaue Alter, bleiben häufig offen. Das bewusste Weglassen von Kontexten oder das Nicht-aus-Erzählen einzelner Situationen schafft Leerstellen, die Raum für eigene Interpretationen lassen. Die Betrachter*innen sind eingeladen, sich in den Texten und Fotografien wiederzufinden, eigene Assoziationen zu entwickeln oder persönliche Erinnerungen und Gefühle hervorzurufen.
Die Arbeit ist ein Versuch, alte Lebensabschnitte zu erkennen und verlorene Erinnerungsfetzen festzuhalten. Ausgelöst durch Assoziationen – etwa durch Fotografien – treten Erinnerungen aus dem Hintergrund hervor und werden nach und nach von unklar zu scharf. Weitere Erinnerungsfetzen tauchen auf – Geschichten zu Hintergründen, Bezüge zu weiter zurückliegenden Ereignissen oder Vergleiche zur Gegenwart. Dieses Gefühl des Erinnerns wird visuell durch den Übergang von unscharfen zu klaren Fotografien und Texten erfahrbar.
Das Archiv der Anfänge und Aufbrüche ist weder abgeschlossen noch endgültig. Es kann kontinuierlich weitergeführt und mit neuen Texten und Fotografien ergänzt werden. Es ist ein Versuch, die Verletzlichkeit, aber auch die Stärke dieser Übergänge festzuhalten.
Remembering one's past often means recognising or feeling new beginnings, upheavals and transitions. These are changes or repetitions that become visible through the context of today. The Archive of Beginnings and Departures captures this feeling through personal photographs and text fragments.
When I think back to the beginnings of my photographic work, I remember perceiving it as useless at the time. I did not yet know how to use an analogue camera properly, how to achieve the correct exposure, how to focus accurately, or how to find the right composition. This resulted in images that were blurred, shaky or out of focus. Images that were sometimes photographed from awkward angles or depicted people in unsuitable moments. Images that I considered unusable at the time.
Today, however, I can view these photographs from a different perspective, as they capture my experience of growing up. They depict a period marked by uncertainty, insecurity, change, new perspectives, as well as experimentation, failure and vulnerability. Through their perceived “uselessness”, the images reveal the vulnerability of that time.
Leaving and arriving are two central themes that have occupied me since I was 18 and moved away from home for the first time, and they continue to do so today. This has also unconsciously manifested itself in my photographs, which document my surroundings and everyday life.
Some of them convey an undefined yet driving sense of departure, while at the same time being shaped by melancholy, uncertainty and doubt. For me, arrival does not necessarily signify the end of a journey, but rather the ongoing process of searching for and finding stability in places, relationships, friendship, love and everything in between.
The Archive of Beginnings and Departures consists of analogue photographs taken between 2012 and the present day, as well as texts and text fragments created during this semester, some real and some fictional. The texts do not necessarily describe the situations depicted in the photographs. Instead, they connect fragments and create moods that possess a cyclical quality – similar to the recurring process of arriving and departing.
Certain details, such as exact ages, often remain open. The deliberate omission of context or the refusal to fully narrate individual situations creates gaps that leave room for personal interpretation. Viewers are invited to recognise themselves in the texts and photographs, to develop their own associations, or to recall personal memories and emotions.
The work is an attempt to recognise past stages of life and preserve lost fragments of memory. Triggered by associations – for example through photographs – memories emerge from the background and gradually become clearer. Further fragments surface: stories behind situations, connections to earlier events, or comparisons with the present. This experience of remembering becomes tangible through the visual transition from blurred to sharp photographs and texts.
The Archive of Beginnings and Departures is neither complete nor final. It can continuously be expanded with new texts and photographs. It is an attempt to capture not only the vulnerability, but also the strength, of these transitions.